Prozesse mit KI automatisieren? Das Netz ist voll von Angeboten für KI-Automatisierung. Damit sollen Unternehmen arbeitsaufwändige Abläufe im Handumdrehen an vollautomatische „Agenten“ delegieren. Die sollen dann Daten analysieren, Muster erkennen, Entscheidungen treffen und mit Kunden kommunizieren. Schöne Neue Welt!
Wie No-Code-Plattformen arbeiten
Was steckt dahinter? In der Regel geht es um so genannte „No-Code“-Plattformen. Wenn KI-Experten die Automatisierung Ihrer Prozesse versprechen, dann nutzen sie meistens solche Plattformen zum „Zusammenstecken“ von Anwendungen im Internet.
Solche No-Code-Plattformen organisieren die Zusammenarbeit und den Datenaustausch zwischen verbreiteten Softwarelösungen für unterschiedliche Zwecke, die als Online-Anwendungen in einer Cloud laufen. Alle diese Anwendungen haben standardisierte Schnittstellen, über die sie Standardfunktionen der anderen Anwendungen ansprechen und Daten bereitstellen können. Auch viele Software-Anwendungen auf lokalen Servern kommunizieren mit diesen Services.
Prozesse zum automatischen Zusammenstecken?
Dieses Baukastensystem können wir mit KI-Anwendungen erweitern und damit weitgehend autonome Entscheidungen und Abläufe anstoßen. Der Kundendienst-Chatbot identifiziert den Kunden und sein Problem, die Kundenverwaltung liefert die letzten Aufträge dieses Kunden, die KI ermittelt das fehlende Ersatzteil, das ERP-System bestellt das Teil, der Chatbot vereinbart einen Kundendiensttermin. Solche vollautomatischen Services sind möglich – wenn Ihre verwendeten Systeme mit der No-Code-Plattform „sprechen“.
Die Plattformen können wirklich eine Menge. Sie halten eine Fülle an häufig verwendeten Standardabläufen und eine noch größere Auswahl an Schnittstellen zu verbreiteten Softwaresystemen. Damit können Sie beeindruckend schnell Prozesse mit KI automatisieren.
Doppelfunktion der KI
Solche Verknüpfungen von Standardschnittstellen brauchen keine Entwickler, deshalb heißen sie ja „No-Code“. Das sollen Anwender selbst erledigen können. Dann werden sie „Citizen Developer“ genannt. Der Baumarkt für die Do-it-yourself-IT! Und wenn ein Citizen Developer einen Prozess designen kann, dann kann es auch eine KI.
Die KI bekommt hier also eine Doppelfunktion: zum einen übernehmen einzelne KI-Agenten spezifische Aufgaben im Prozess, zum anderen erledigt eine KI gleich das ganzen Prozessdesign.
Und genau diese Doppelfunktion ist das Problem: Die KI steuert sich selbst und übernimmt die Kontrolle über Ihre Prozesse. Das klappt vielleicht für einen kleinen Prozess im Kunden-Self-Service – aber wer will damit schon die Steuerung seiner unternehmenswichtigen Prozesse abgeben?
Kontrollieren, was die KI tut
Die Prozesse sind die DNA des Unternehmens, das Tafelsilber! Die sollten wir schon selbst in der Hand behalten. Darum gilt in der prozessgesteuerten Digitalisierung der Grundsatz: Prozess-Design ist Management-Aufgabe. Wenn wir Prozesse mit KI automatisieren, dann sollte der Prozess steuern, was die KI tut – nicht umgekehrt!
Die Europäische KI-Regulierung verlangt von Unternehmen im kritischen Umfeld und für Prozesse mit Kundeninteraktion, dass die Aufgaben und Entscheidungen von KI-Sytemen jederzeit transparent nachvollziehbar sind. KI, die sich selbst kontrolliert, kann das nicht leisten.
Ganz gleich, ob Ihr Unternehmen unter die EU-Verordnung fällt oder nicht – es ist eine Sache des gesunden Menschenverstands, dass die Menschen, die für das Management verantwortlich sind, auch die Prozesse kontrollieren.
Prozesse mit KI automatisieren: Wie es richtig geht
In der prozessgesteuerten Digitalisierung designen wir die digitalen Prozesse mit einem Prozessmodell nach dem Standard BPMN. Damit können wir kontrollieren, dass unsere Prozesse logisch schlüssig ablaufen und keine Endlosschleifen oder Deadlocks verbergen. Eine BPMN-Process-Engine interpretiert das Prozessmodell und übernimmt die Steuerung der Anwender und Systeme im Prozess. Die einzelnen Aufgaben im Prozess können von Menschen erledigt werden, von Unternehmensanwendungen oder auch von KI-Systemen.
Über das Prozessmodell haben wir aber jederzeit im Griff, welches System welche Entscheidung trifft oder welche Transaktion ausführt. Unsere Prozesse sind transparent und sicher. Nur so können wir im ständig schneller drehenden Karussell der KI-Innovationen das Heft des Handelns in der Hand behalten.
